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Leben mit Demenz 2017-08-10T15:41:43+00:00

Leben mit Demenz

Diagnose Demenz

Was versteht man unter Demenz?

Der Begriff „Demenz“, bzw. „Alzheimer“ erscheint immer häufiger in den Medien und der öffentlichen Diskussion – wohl nicht zuletzt deswegen, weil es immer mehr Demenzkranke gibt (steigende Lebenserwartung). Die geschätzten Kosten für die Betreuung und Behandlung dieser Personengruppe soll in naher Zukunft bei jährlich ca. 36 Mrd. € liegen und das vor dem Hintergrund der sinkenden Anzahl von qualifizierten Mitarbeitern in der Pflege.

Demenz ist eine diagnostizierbare (Computertomografie, EEG, kognitive Tests), nicht heilbare, fortschreitende Erkrankung des Gehirns, die meist erst nach dem 65. Lebensjahr auftritt. Als Alzheimer-Krankheit bezeichnet man die am häufigsten auftretende Form der Demenz (50-60 %). Es gibt aber auch die Demenz auf Grund von Gefäßveränderungen/-erkrankungen (z.B. nach Schlaganfall, Herzinfarkt oder Arteriosklerose), die ca. 20 % der Erkrankten betrifft und Demenz als Begleiterscheinung bestimmter Vorerkrankungen (Morbus Parkinson, Epilepsie, HIV, o.ä.), sowie Mischformen.

Leitsymptom der Demenz ist eine Störung des Gedächtnisses, vor allem des Kurzzeitgedächtnisses und der Merkfähigkeit, die länger als sechs Monate besteht und nicht von anderen Erkrankungen (Depression, Flüssigkeitsmangel, psychischen Erkrankungen, o.ä.) verursacht wird. Weiterhin kann man Störungen bei Denkvermögen, Sprache (z.B. Wortfindungsstörungen), Verhalten (Unruhe, Aggression, Rückzug, Schlafstörungen, Orientierungslosigkeit, usw.) und Motorik (zunehmende Steifigkeit, kleine Schritte, Sturzgefährdung) feststellen. Sinne und Wahrnehmung funktionieren dagegen weitgehend „normal“, nur die Verarbeitung der Informationen aus der Umwelt ist gestört.

Beschützender Bereich „Mainhafen“

Da Demenz zum heutigen Zeitpunkt leider nicht heilbar ist (bestenfalls kann man den Krankheitsverlauf verzögern), ist unser wichtigstes Anliegen, dem Betroffenen Rahmenbedingungen zu bieten, die es ihm erlauben, so selbstbestimmt wie möglich zu leben und ihm alle Hilfe und Unterstützung angedeihen zu lassen, die er benötigt um sich sicher und geborgen zu fühlen und Spaß am Leben zu haben. Um dieses Ziel zu erreichen, sind wir auf die Unterstützung und Mitarbeit von Angehörigen und Betreuern angewiesen. Besonders wichtig ist hier die gemeinsame Erarbeitung des Biografiebogens, der beim Einzug ausgehändigt wird.

Gestaltung des Wohnbereichs

Der Bewohner kann nicht ohne Begleitung den Wohnbereich verlassen. Bei Bedarf steht ein weiteres Sicherheitssystem mit Transponderuhren zu Verfügung, die ein Alarmsignal im Dienstzimmer auslösen, falls ein Bewohner den beschützenden Bereich verlassen will.

Der Außenbereich (Garten/Terrasse) ist so angelegt, dass der Bewohner diesen nicht alleine verlassen kann, sich aber jederzeit im Freien aufhalten kann, wenn er es möchte. In den Sommermonaten sind beide Türen zum Garten geöffnet, so dass für die Bewohner ein Rundlauf entsteht.

Der Bewohner kann Möbelstücke aus seinem privaten Besitz mitbringen, soweit die Größe des Zimmers dies zulässt. Das vermittelt Vertrautheit und sorgt für Orientierung.

Das Mobiliar und die Dekoration in den Aufenthaltsbereichen stammen weitgehend aus der sogenannten Prägezeit der derzeitigen Bewohnergeneration (Prägezeit ist die Zeit von der Kindheit bis ins junge Erwachsenenalter von ca. 25 – 30 Jahren). Die Erinnerungen an die Prägezeit bleiben bis in die fortgeschrittene Demenz erhalten.

Hilfen zur räumlichen und zeitlichen Orientierung sind selbstverständlich vorhanden (Wandtafel mit dem aktuellen Datum wird jeden Tag zusammen mit einzelnen Bewohnern neu bestückt, Hinweisschilder und Symbole erleichtern dem Bewohner das Aufsuchen der Toilette, die Zimmertüren der Bewohner sind mit großen Namensschildern und individuellen Bildern versehen, die Zeiten für Mahlzeiten und Wochenpläne der Sozialen Betreuung sind an einer zentralen Informationstafel zu erkennen, usw.).

Gestaltung des Tagesablaufes

Die Zeiten für pflegerische und sonstige Maßnahmen werden individuell mit den Bedürfnissen des Bewohners abgestimmt.

Alle Mitarbeiter, die (auf eigenen Wunsch) im „Mainhafen“ tätig sind, werden speziell geschult und arbeiten nach den bekannten Grundsätzen in der Dementenbetreuung wie z.B. Validation und Biografiearbeit.

Es findet eine aktivierende Pflege und Betreuung statt (der Bewohner soll das, was er noch kann, soweit wie möglich selbstständig tun. Er bekommt die nötige Hilfe, wenn er mit Aufgaben überfordert ist. Ess-, Wasch- und Anziehtraining werden in den Tagesablauf eingebunden.).

Die Mahlzeiten werden nicht mit dem in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen üblichen „Tablettsystem“ gereicht, sondern – wie man es von zu Hause gewöhnt ist – aus Behältern (Suppenterrinen, Schüsseln, etc.) in der Gemeinschaft am Tisch geschöpft. Hierbei werden die Bewohner, die das möchten und können, mit eingebunden. Vor allem den weiblichen Bewohnern ist diese Tätigkeit vertraut und vermittelt das Gefühl der Sinnhaftigkeit und des „Gebrauchtwerdens“.

Es gibt fast jeden Tag mindestens ein Angebot der Mitarbeiter der Sozialen Betreuung (Diplom-Sozialpädagogin, Ergotherapeutin, Betreuungsassistentin), das auf die Fähigkeiten und Wünsche der an Demenz erkrankten Bewohner abgestimmt ist, z.B.:

Wahrnehmungstraining – Biografieorientierte Themenstunden – Gymnastik – Backen – „Kaffeeklatsch“ – Liederrunde – Jahreszeitliche und musikalische Veranstaltungen – Begleitung zu den regelmäßigen Gottesdiensten in der hauseigenen Kapelle.

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„Soviel Selbständigkeit wie möglich,
soviel Hilfe wie nötig“

Adresse & Telefon

Diakoniezentrum Wertheim gGmbH
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97877 Wertheim-Hofgarten
Telefon 0 93 42-9 03-0 (Empfang)